Offener Brief an Therapeuten
und die Erläuterung unseres Engagements
sowie unsere Projektvorstellung "Der gesunde Therapeut"
sowie unsere Projektvorstellung "Der gesunde Therapeut"
Sehr geehrteR TherapeutIn,
ich möchte Ihnen an dieser Stelle die wichtigsten Links unserer Seite nennen, damit Sie nicht unendlich lang suchen müssen.
Hier finden Sie unsere Adressliste:
Adressliste der Fachleute für TS-Arbeit mit Minderjährigen
Mehr zu meinem eigenen Engagement finden Sie hier:
CSD Oldenburg 2011
Sicherlich werden Sie beim weiteren Durchstöbern unserer Seite und des Gästebereichs unseres Forums, insbesondere der "Notrufstelle für Eltern von TS-Kindern" bemerken, dass wir einen etwas anderen Ansatz verfolgen als bei vergleichbaren Seiten. Weg vom jammern, hin zu Aktionismus. Uns geht es in erster Linie nicht nur um die "technische Information", die kann man sich mittlerweile überall im Netz zusammensuchen, auch wenn wir ebenfalls solche Informationen vermitteln. Uns geht es vermehrt um die eigentliche Gesundung der Psyche, um die Suche nach der Ursache von konditionierten Verhaltensweisen. Warum komme ich einfach nicht voran? Warum habe ich immer Angst? Warum will ich es immer jedem recht machen und jedem gefallen? Warum bekomme ich Tobsuchtsanfälle aus heiterem Himmel? Warum habe ich diesen Drang, immer alles kontrollieren zu müssen? Warum muss ich immer im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen? Diese Fragen lassen sich unendlich lang fortsetzen. In meiner langjährigen Arbeit begegnete ich 3 Gruppen von Betroffenen.
Die erste Gruppe kommt recht zügig voran (vom Promibonus a la Balian Buschbaum einmal abgesehen), da sie bereits ein gewisses Maß an gesundem Selbstbewusstsein mitbringen. Die zweite Gruppe braucht fast ewig, um ihr Ziel zu erreichen, da sie leider nicht von Haus aus mit einem gesunden Selbstbewusstsein ausgestattet werden. Die dritte Gruppe sind jene Betroffene, die zwar zügig vorankommen, aber anschließend nicht wirklich glücklich sind. Aufgrund meiner eigenen Involviertheit und der Beschäftigung sowie auch direkt im Alltag erlebten Erfahrung mit der ayur vedischen Psychologie, erkannte ich sehr schnell, dass bei den letzten beiden genannten Gruppen viel mehr dahinterstecken musste, als bloß die reine TS. Nachdem ich begonnen habe, mich mit dem Thema sexuellen Missbrauch näher zu befassen, musste ich feststellen, dass sich gerade in den letzten beiden Gruppen sehr viele Opfer sexuellen Missbrauchs und/oder häuslicher Gewalt befinden. (In den USA wurde eine Umfrage an 403 TS vorgenommen, 48 % gaben an, Opfer von sexuellem Missbrauch und Vergewaltigung geworden zu sein. Eine Zahl die schockiert, die Dunkelziffer ist wesentlich höher.)
Wenn man bedenkt, dass bundesweit und das seit Jahrzehnten jedes 3. Mädchen und jeder 5. Junge Opfer sexuellen Missbrauchs ist und das dann mal auf die Zahlen der Gesamtbevölkerung an TS-Betroffenen umrechnet und wenn man bedenkt, dass die meisten MB-Opfer ihre in der frühesten Kindheit erfahrenen Traumata so sehr verdrängen, dass sie sich selbst nicht mehr dran erinnern können, wundert es einen nicht mehr wirklich, wieviele Missbrauchsopfer sich unter den TS befinden. Damit also ein solch betroffener TS - ich spreche da auch aus meiner eigenen Lebenserfahrung - ein wirklich glückliches Leben führen kann, muss nicht nur die TS als solches beachtet werden, sondern der Psyche auf Grundsuche gegangen werden, Erinnerungsgespräche geführt werden, das Erinnerte aufgearbeitet werden um somit schlußendlich die konditionierten Verhaltensweisen loszuwerden und wieder ein freies, glückliches und selbstbestimmtes Leben führen zu können. Wenn man auch bedenkt, dass selbst nicht ausgelebte TS zu Symptomen einer Borderlinestörung führen kann, die denen nach einem erlebten Missbrauch ähnlich sind, lässt sich schon erahnen, wie umfangreich eine wirklich gute Therapie ist.
Gerade wegen des großen Anteils an Missbrauchsopfern unter den TS ist es besonders wichtig herauszufinden, woher die Störungen kommen. Nicht ausgelebte TS kann (nicht muss), wie oben bereits erwähnt, ebenfalls zu Symptomen einer Borderlinestörung führen, die denen nach einem sexuellen Missbrauch und häuslicher Gewalt sehr ähnlich sind. (Borderline kann sogar allein durch die Erziehung, selbst wenn das Kind ansich gewaltfrei lebt, bis in die siebte Generation weitergegeben werden.) Und genau diese Tatsache macht ja eine fundierte Therapie so umfangreich und schwierig. Sind sie "lediglich" aufgrund nicht ausgelebter TS entstanden? Dann werden diese Störungen geringer oder lösen sich im besten Falle sogar komplett auf, wenn der Betroffene den TS-Weg geht. Liegt die Ursache aber woanders, dann muss die andere Ursache erinnert werden und mit in die Therapiearbeit aufgenommen werden. Denn nur eine komplette Aufarbeitung sämtlicher Traumata bis in die tiefste Kindheit des TS ermöglicht wieder eine Weiterentwicklung, ein erwachsen werden sowie den Gang in eine glückliche, selbstbewusste und selbstverantwortliche Zukunft.
Ich selber konnte mich lange nicht zurückerinnern. Erst als ich im Januar 2011 eine wichtige Vorbereitungs-OP hinter mich gebracht habe, somit das gröbste körperliche Unwohlsein weg war, kamen die ersten Bilder und Erinnerungen wieder. Bis jetzt handelt es sich um häusliche Gewalt aber ich bin dem vermuteten Missbrauch deutlich auf der Spur. Hier werden direkte Erinnerungsgespräche nötig, damit ich auch auf die letzten verschütteten Erinnerungen wieder zugreifen kann.
Leider haben eine große Zahl von Therapeuten eigene erlebte Traumata, wie z. B. sexuellen Kindesmissbrauch und häusliche Gewalt nicht aufgearbeitet oder lebt die eigene TS oder homosexuelle Neigungen selbst nicht aus. Therapeuten, die so gestrickt sind fällt es schwer anderen Menschen wirklich zu helfen. Oftmals ist reale Hilfe sogar unmöglich, da sie Therapiegründe dieser Art gern abblocken oder nur oberflächlich streifen. Sie werden ihr eigenes, oft verfälschtes Weltbild (weil sie sich selbst und die Realität nicht wirklich erkannt haben) in die Therapie mit einfließen lassen und auf diese Weise eher hinderlich für die Entwicklung des Hilfesuchenden sein.
Leide ich an Spinnenphobie, werde ich meinem Klienten seine Spinnenphobie nicht nehmen können, da ich entweder das Thema abblocke, oberflächlich streife oder aussitze. Ich muss also meine eigene Spinnenphobie überwunden haben, die Ursache der Spinnenphobie restlos aufgearbeitet haben, um dem Klienten effektiv helfen zu können.
Die Arbeit mit Klienten stellt immer wieder auch einen Blick in den Spiegel dar. Und gerade wenn es um Themen wie das eigene "Selbst" geht, bekommen sehr viele Therapeuten "Muffensausen" und fangen an zu "kneifen". Ein paar Seminarwochenenden reichen einfach nicht aus, um die eigenen psychischen "Abgründe" zu erkennen. Wirkliche Selbsterkennung bis in die kleinste Faser seiner eigenen Psyche dauert oftmals Jahre und ist auf weiten Strecken sogar mit regelrechter Arbeit verbunden. Da ist die Gedanken- und Gefühlskontrolle noch die vergleichsweise einfachste Übung obwohl auch diese es schon in sich hat, wie ich an mir selber feststellen konnte. Die Gedanken- und Gefühlskontrolle ist die halbe Miete, sowohl für den Therapeuten als auch für den Klienten.
Weiterhin verfolgen wir die These, dass nur ein wirklich gesunder Therapeut, der selbst durch den schmerzlichen Prozess der Selbsterkenntnis gegangen ist und zwar bis zurück in die tiefste Kindheit, in der Lage ist Betroffenen effektiv zu helfen. Es gibt ein indisches Sprichwort im Ayur Veda: "Willst Du anderen helfen, muss Deine Psyche erst gesunden." Ich selber helfe nur in den Teilbereichen, die ich selbst bewältigt und dessen Folgen ich bereits aufgelöst habe. Wird meine Kompetenz überschritten, leite ich an gesunde Fachleute weiter. Die Erfolgsrate, der von mir weitervermittelnden Personen spricht für sich. Natürlich muss der Betroffene diese Hilfe selbst wünschen und auch wirklich wollen, sonst nützt alles nichts.
Wir von Trans-Eltern sind bestrebt, weiterhin gesunde Fachleute zu finden, um somit die Wartezeiten zu verringern und den Betroffenen, die an Borderline leiden, ggf. unwissend Opfer geworden sind, zügig und effektiv helfen zu können. Leider sind derartig gesunde Fachleute nicht in der Überzahl und es ist mehr als ein schwieriges Unterfangen, solche Therapeuten zu finden.
Wenn Sie nun ehrliches Interesse bekommen haben und an unserem Projekt "Der gesunde Therapeut" teilnehmen möchten und Sie sich nicht scheuen, eine komplette Selbsterkenntnis zu durchlaufen, so lassen Sie es uns wissen. Sie helfen damit die Welt wieder ein Stück glücklicher und selbstbewusster zu machen. Unsere Kinder sind unsere Zukunft und nur wenn unsere Kinder (nicht nur TS-Kinder) glücklich, selbstbewusst und gesund sind, wird der Teufelskreislauf aus Missbrauch, Gewalt und Manipulation ein Ende finden. Glückliche Kinder werden zu glücklichen Erwachsenen, die Missbrauch, Gewalt, Krieg und Manipulation nicht mehr nötig haben. Und was gibt es schöneres für Eltern als glückliche und selbstbewusste Kinder?
Geben Sie sich einen Ruck, es lohnt sich allemal, auch für Sie als Therapeuten, denn zum glücklich werden ist es nie zu spät.
Ihr
Sebastian Potter
Druckversion