Für unsere Eltern
Geschrieben von Biker am 13.08.11, 13:17 Uhr
Was sind TS?
TS sind Menschen, die mit einer eindeutigen Anatomie zur Welt gekommen sind, die sich aber eindeutig nicht als das von der Umwelt zugewiesene Geschlecht fühlen und sich auch in ihrem geborenen Körper nicht wohlfühlen.Warum das im Einzelfalle passiert, weiß man genausowenig, wie man weiß, warum manche Leute homosexuell sind. "Heilen" kann man es ebensowenig.
TS streben daher (sofern andere problematische Hintegründe nicht existieren) eine körperliche Geschlechtsangleichung an, um sich auch äußerlich dem anzunähern, was sie innerlich empfinden.
Dazu gibt es medizinische und juristische Hilfen, die auch gerne in Anspruch genommen werden.
Eltern und ihre trans"sexuellen" Kinder:
Wie kann ich als Elternteil mit meinem trans"sexuellen" Kind umgehen? Habe ich bei der Erziehung was falsch gemacht?
Fragen, die sehr häufig gestellt werden. Zunächst einmal sollte jedoch beachtet werden, dass sich nicht die Identität des Kindes verändern lässt, denn diese ist schon seit der Geburt festgelegt, lediglich das äußere Erscheinungsbild ist veränderbar. Doch bevor man über das Ziel hinausschießt, sollte sich jedes Elternteil im Vorfeld vergewissern, z. B. mit Hilfe eines Psychologen, ob es sich nicht doch evtl. um eine "spielerische" Phase handelt, oder aber ob eine mögliche Intersexualität dahintersteckt.
Erst wenn beides auszuschließen ist, kann man weitere Schritte im Sinne des TSG in Angriff nehmen.
Am wichtigsten jedoch ist, dass sich das Kind mit seinen Problemen nicht alleine fühlt, dass es die Gewissheit hat, dass die eigenen Eltern es immer noch lieb haben. Dass es mit der Unterstützung der Eltern rechnen kann. Inwieweit das Kind jedoch Unterstützung von seinen Eltern erfahren möchte, entscheidet das Kind ganz alleine. Hier wäre es dann falsch, ungewollte Hilfestellung zu leisten.
Denn eines ist klar: Trans"sexualität" hat nichts mit Abweisung der eigenen Eltern zu tun. Es ist auch kein Zeichen von "Aufmüpfigkeit" im Sinne von pupertärer Abgrenzung. Auch hat es nichts damit zu tun, die Eltern ärgern zu wollen oder "Trotzkopf" zu spielen. Es ist einfach ein "Hilfeschrei" endlich so leben zu können, wie es innerlich fühlt.
Was werden denn die Nachbarn/Umfeld sagen?
Auch hier gilt die Devise: Ehrlichkeit währt am längsten!
Je mehr man sich versteckt und um die Tatsache "herumduckst", desto mehr wird hinter dem Rücken getuschelt. Wichtig ist hier, den Nachbarn und auch dem restlichen Umfeld/Familie das Gefühl zu geben, dass man trotz alledem sein Kind immer noch liebt. Dass man Verständnis für die Situation des Kindes zeigt.
Und wenn partout irgendwelche Ewiggestrigen immer noch kein Einsehen zeigen, so sind es selten die besten Freunde gewesen. Denn bei so einer Thematik trennt sich doch sehr leicht der Weizen von der Spreu.
Im allgemeinen jedoch möchte ich sagen, dass die Nachbarn bitteschön egal sind. Es ist nicht das Leben der Nachbarn, es ist das Leben Ihres Kindes.
Kindergarten und Schule?
Hier ist es ratsam, im Vorfeld die KindergärtnerInnen bzw. die Lehrer über die Thematik aufzuklären. Ggf. in Zusammenarbeit mit dem zuständigen Psychologen in Verbindung zu setzen. Denn die wenigsten "Aufsichtspersonen" werden bei genügender Aufklärung ein striktes "Nein" von sich geben. Außerdem ist das Kindergarten- und Schulpersonal ausgebildet genug, um den speziellen Belangen des Kindes Rechnung zu tragen.
Ich bin selber TS und habe eigene Kinder:
Hier hängt es sehr oft vom Alter der Kinder ab! Klein- und Schulkinder haben im allgemeinen weniger Anpassungsschwierigkeiten, da ihre eigenen pupertären Probleme noch nicht aktuell sind. Für sie wird es irgendwann selbstverständlich, wenn ihr "Vater" Röcke trägt, oder die "Mutter" einen Bart hat. Natürlich gibt es auch Ausnahmen, aber die Gründe für diese Ausnahmen hier zu erläutern, würde den Rahmen hier schlichtweg sprengen!
Kinder, die mitten in der Pupertät sind, haben es da schon schwieriger. Nicht dass sie sich nur mit ihrer eigenen Identität außeinandersetzen müssen, sondern nun zusätzlich auch mit der Identität des trans"sexuellen" Elternteils. Diese "Doppelbelastung" erschwert natürlich eine evtl. Anpassung. Auch hier gilt widerum das berühmte Sprichwort: Ausnahmen bestätigen die Regel!
Kinder, die jedoch schon erwachsen sind und ihre eigene Pupertät mittlerweile hinter sich gebracht haben, können sowohl subjektiv als auch objektiv die Sache betrachten, und eine evtl. Anpassung geht weitaus mit weniger Problemen vonstatten, als mit Jugendlichen, die mitten in ihrer Pupertät stecken. Selbst hier gilt: Ausnahmen bestätigen die Regel!
Doch egal wie alt das Kind ist, es muß immer mit bedachtem Taktgefühl und entsprechender Vorsicht aufgeklärt werden. Und wenn das Kind selber Fragen stellt, dann ist es der größte Fehler, dem Kind auszuweichen. Es fühlt sich womöglich gekränkt und verliert das Vertrauen zu seinen Eltern. Evtl. sucht es die Schuld bei diversen Diskrepanzen dann bei sich selbst. Und dass das für die Entwicklung des Kindes nicht gerade gut ist, muß wohl nicht unbedingt erläutert werden!
Familienbande:
Auch für das restliche familiäre Umfeld ist es von besonderer Wichtigkeit, auf die Belange des trans"sexuellen" Familienmitgliedes Rücksicht zu nehmen. Auch wenn eine Umgewöhnung nicht von heute auf morgen möglich ist, was ja auch niemand verlangt, so ist es jedoch schon ein großer Schritt nach vorne, wenn sich das trans"sexuelle" Familienmitglied akzeptiert fühlt und sich in die Familienbande hineingenommen fühlt. Und eine intakte Familie ist das A und O für eine gesunde Entwicklung eines jeden Menschen!
Das muß ich erst einmal setzen lassen. Was, wenn mir noch mehr Fragen einfallen?
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Ihr Trans-Eltern Team
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