Pierre an seine Mutter
Geschrieben von Biker am 31.08.04, 00:55 Uhr
Hi ihr!
Da ich euch noch etwas sagen wollte, mich aber nie dazu durchringen konnte, erzähle ich euch davon in diesem Brief. So fällt es mir etwas leichter, vor allem, weil ich jetzt für zwei Tage nicht zuhause bin. Also...
Ich bin kein Mädchen, auch wenn ich als eines geboren wurde. Aber tief in mir spüre ich, dass dies so nicht stimmt. Ich bin ein Junge!
Mit all meinen Gefühlen, Gedanken, Ansichten und auch meinem Geschmack. Genau aus diesem Grund trage ich nicht gerne Mädchenklamotten, das ist fast genauso, als wenn ihr ***(männlicher Vorname) sagen würdet er solle solche Kleidung tragen. Das passt eben nicht, das geht so nicht!
Maybe, ihr hattet eine Vorahnung oder auch nicht. Das ist auch egal. Zum ersten Mal hatte ich diesen Wunsch (Traum) in der Grundschule. Wisst ihr das noch? Da sah ich eine Zeit lang so aus wie ein Junge.
Später ließ dieser tiefe Wunsch nach, zumindest vergaß ich ihn, ich war nur noch ich. Aber in all meinen Träumen war ich immer ein Junge, selbst wenn ich wollte, ich konnte da nie ein Mädel sein... Und seit einiger Zeit habe ich wieder den Drang offen zu zeigen was ich bin: Ja ich bin eine Transe. Und ein Junge!!! Maybe, ich werde irgendwann wieder ein Mädel, aber geht nicht davon aus! Bisher denke und fühle (und seit neuestem LEBE) ich auch als und wie ein Junge! Und ich habe auch nicht vor mich für jemand anderes in die Mädchenrolle bringen zu lassen. Alles was ich in dieser Hinsicht tue passiert aus meiner eigenen Meinung heraus. Wie gesagt, es kann sein, dass ich irgendwann wieder das Mädchen sein möchte, aber bisher geht das einfach nicht. Falls ihr jetzt erstaunt seit tut es mir leid, aber vielleicht ist es besser, dass ihr hiervon wisst, vielleicht auch nicht. Für mich ist dies alles wirklich nicht einfach, genau genommen wollte ich es auch gar nicht sagen. Ein paar Leute wissen schon Bescheid und sie stehen hinter mir. Sie haben mich aufgebaut, mir zugehört und mir bei meinen Ängsten vorm Outen geholfen. Sie haben mich sozusagen gerettet und ich bin ihnen sehr dankbar dafür. Ohne ihre Hilfe wären meine Ängste viel größer gewesen, dann hätte ich gar nicht gewusst was ich tun soll.
Würde mich freuen, wenn ihr dies alles NICHT als eine Phase anseht. Denn ich bin keine Phase, ich bin ich. Bitte akzeptiert mich so, auch wenn ich anders bin als andere. Ich bin ja immer noch der selbe Mensch.
Noch ein schönes Wochenende...
Pierre
Druckversion